Religiosität in der Gesellschaft

October 31, 2014

Das Christentum ist die am meisten verfolgte Religion weltweit. Die Situation unserer Schwestern und Brüder macht uns natürlich besonders betroffen, denn wenn ein Glied am Leib Christi leidet, „so leiden alle Glieder mit“ (1 Kor 12,26). Gleichwohl betrübt uns die Situation aller verfolgten Menschen auf dieser Welt.

 

Die Konflikte in Palästina, Syrien, in Afrika und vielen anderen Orten werden oft von Fundamentalisten geschürt und fordern Opfer von Angehörigen religiöser Minderheiten. Religiöse Konflikte drohen aber auch unsere Gesellschaft in Deutschland zu spalten: Yeziden gegen Muslime, Muslime gegen Juden, Juden gegen Muslime, Christen gegen Muslime usw. Und immer mit dabei sind Gegner jeglicher Religiosität, die religiöse Konflikte gerne aufgreifen um einzelne Religionen ins Abseits zu drängen.

 

Es ist eine steigende Feindseligkeit gegenüber (anders-)gläubigen Menschen zu beobachten. Als Christen müssen wir uns fragen: Ist es richtig, die Gläubigen anderer Religionen herabzuwürdigen? Selbstverständlich nicht!

 

Wir sind der Überzeugung, dass Gott die Menschen als sein Ebenbild geschaffen und mit einer unantastbaren Würde versehen hat. Dieser Menschenwürde wohnt auch die Freiheit inne, die jeder Mensch hat, sich auf die Suche nach Gott zu machen. Religionsfreiheit ist Ausdruck des Respekts vor der Menschenwürde.

Religionsfreiheit ist ein Grundrecht aller Menschen. Aber es ist nicht in jedem Land möglich, seinen Glauben in der Öffentlichkeit zu leben. Vielerorts wird die freie Religionsausübung behindert. Wir Christen sind aufgerufen uns für die Religionsfreiheit zu engagieren. Dafür müssen wir auch den Blick auf unsere Gesellschaft richten.

 

In der DDR wurden Weihnachtsengel „geflügelte Jahresendzeitfiguren“ genannt. Das Ziel war klar: Alles Religiöse sollte aus den Köpfen der Menschen verschwinden. Auch heute gibt es Bestrebungen die uns Sorgen bereiten müssen. Einige Politiker fordern St. Martin in Kindergärten zu verbieten, stattdessen solle man lieber ein konfessionsloses „Sonne, Mond und Sterne“-Fest feiern. Der NRW-Innenminister streicht für St. Martins-Züge den Polizeischutz. Schulen, Kindergärten und Vereine sollen ihre Martinszüge künftig ausschließlich selbst sichern. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg erlaubt keine Ramadan- und Weihnachtsfeste mehr auf öffentlichen Straßen und Plätzen. Statt eines Ramadanfestes musste 2013 ein „Sommerfest“ angemeldet werden. Eine Auszeichnung für ehrenamtliches Engagement des Bezirks darf nicht für kirchliches Engagement vergeben werden. Viele weitere Beispiele ließen sich nennen.

In Österreich streitet man über den Besuch des Heiligen Nikolauses in Kindergärten. Gerade hier wird deutlich: Den Gegnern der Religiosität geht es nicht um interkulturelle Toleranz, denn gerade der Heilige Nikolaus von Myra (heutige Türkei) bietet Gemeinsamkeiten über die Kulturen hinweg.

 

Den Gegner der Religiosität geht es darum, Religiosität aus der Gesellschaft zu verbannen. Der Wunsch Gläubige zu unterdrücken ist ihnen gemein mit dem IS. Und deshalb müssen die Gläubigen aller Religionen und Konfessionen zusammenhalten: Yeziden und Christen, Juden und Aleviten, Schiiten und Sunniten usw. Wenn wir Gläubigen nicht zusammenhalten, werden wir eines Morgens aufwachen und nicht mehr frei sein unseren Glauben zu leben.

 

Wenn Religiostät aus der Öffentlichkeit verbannt wird, ist die Ausübung unseres christlichen Glaubens bedroht. Als Christen wollen wir unserem Glauben nicht privat leben, sondern diesen in die Öffentlichkeit tragen. Wir suchen und finden unser Heil in Jesus Christus und sind berufen die Frohe Botschaft zu verkünden. "Gehet hin, und lehret alle Völker, taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie alles halten, was ich euch geboten habe" (Mt 28,19-20).

 

Wir Christen haben eine wirklich FROHE Botschaft, die wir verkünden können. Tragen wir unseren Glauben in die Öffentlichkeit und stecken unsere Mitmenschen mit unserer Freude am Glauben an.

 

(Erschienen im Pfarrbrief des Seelsorgebereichs Nippes/Bilderstöckchen "Forum": http://www.kirche-im-veedel.de/assets/files/forum-winter-2014.pdf)

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