Interview mit der IVZ

March 18, 2015

Der Ibbenüberener Volkszeitung (IVZ) hat mich zu meiner Arbeit im Rat der Stadt Köln interviewt.

 

 

 

Wo liegen die Unterschiede zwischen der Ratsarbeit in einer Großstadt und einem kleinen Ort wie Hopsten?

Christoph Klausing: Die Unterschiede liegen in der Größenordnung. Während der Hopstener Haushalt 13 Millionen Euro umfasst, sind es in Köln vier Milliarden. In Hopsten habe ich mit dem Vorsitzenden von Westfalia über die Belange am Trainingsplatz gesprochen, in Köln haben wir neulich im Fraktionsvorstand mit dem Präsidenten des 1. FC Köln Werner Spinner über das Trainingsgelände am Geißbockheim gesprochen.

 

Wie kommen Sie als Westfale mit den rheinischen Frohnaturen zurecht?

Klausing: Es gibt noch einige Ratskollegen und Verwaltungsmitarbeiter mit norddeutscher Herkunft. Die sind meistens länger als ich in Köln und lächeln sogar gelegentlich. Die kölsche Mentalität ist „et kütt wie et kütt, un et hätt noch emmer joot jejange“. Das muss man als Westfale erst einmal einige Jahre auf sich wirken lassen.

 

Sie haben früh begonnen, sich politisch zu engagieren. Wie kam es dazu?

Klausing: Ich fand Politik schon immer spannend, was sicher nicht zuletzt daran liegt, dass mein Vater bei der FDP ist. Irgendwann wollte ich mich dann zusammen mit Freunden engagieren. Ludger Kleine-Harmeyer war damals CDU-Vorsitzender und hat die Wiederbelebung der Jungen Union in Hopsten sofort unterstützt.

 

War Ihnen von vornherein klar, dass Sie auch in Köln weitermachen möchten?

Klausing: Mit der Zeit ist mir klar geworden, dass ich mir vorstellen kann, dauerhaft in Köln zu leben. Nach der Landtagswahl 2012 musste ich aktiv werden. Ich möchte, dass da wo ich lebe, die CDU Volkspartei ist. Dafür kämpfe ich jetzt in Köln.

 

Haben die Erfahrungen, die Sie bei der Ratsarbeit im „Dorf“ gesammelt haben, in Köln weitergeholfen?

Klausing: Da Köln eine kreisfreie Stadt ist, bündeln sich im Stadtrat die Aufgaben von Kreistag und Stadtrat. Ansonsten ähnelt sich die Ausschussarbeit doch sehr. Auch einige Themen konnte ich mit in Köln einbringen: Die CDU fordert nun, die Förderung des innovativen Radwegebaus in der Stadt. Innovativen Radwegebau kannten die hier gar nicht. Ich habe in Hopsten die niedrigschwellige Möglichkeit, mich in politischen Gremien zu beteiligen, schätzen gelernt. Mittelfristig möchte ich in der Stadt Köln auch eine Diskussion über politische Beteiligung anstoßen. Die Bezirksvertretungen in den Stadtteilen mit jeweils etwa 100 000 Einwohnern haben längst nicht so viel Gestaltungsmöglichkeit wie der Rat der Gemeinde Hopsten für 8000 Einwohner. Das ist gut für die Bürger in Hopsten und ein Skandal in Köln. Da muss ohne Denkverbote diskutiert werden. Zum Beispiel in einem Halbtags-Kreisparlament und Stadtteilen als kreisangehörigen Städten mit eigenem Rat und Ausschüssen.

 

Wie kam es zu der Ratskandidatur?

Klausing: Ich habe im Sommer 2012 meine Mitgliedschaft nach Köln verlegt und mich regelmäßig in meinem Ortsverband engagiert. Außerdem habe ich die JU im Stadtbezirk Nippes reaktiviert. Daher wurde mir ein Ratswahlkreis angeboten. Die CDU Köln hat mich – dann 2013 als Kreisvorsitzender der JU Köln – auf einen guten Listenplatz für die Kommunalwahl gesetzt.

 

Was sind Ihre Themenschwerpunkte?

Klausing: Jugendpolitik und Arbeitsmarkt. Ich bin unter anderem im Beirat des Jobcenters und der Arbeitsagentur. Derzeit treibt mich die Langzeitarbeitslosigkeit und damit verbundene Perspektivlosigkeit sehr um. Für die Kommune bedeutet dies außerdem immense Kosten: allein für die Mietkosten von SGB II-Beziehern gibt Köln jährlich über 320 Millionen Euro aus. Hier müssen Stadt und Bund zusammen mit den Arbeitsmarktakteuren anpacken und aktive Arbeitsmarktpolitik gestalten.

 

Sehen wir Sie irgendwann als Berufspolitiker?

Klausing: Ich glaube, dass ehrenamtliches Engagement und Politik – egal in welcher Form – immer ein Teil meines Lebens sein wird.

 

Wie oft kommen Sie noch nach Hopsten?

Klausing: Außerhalb der sitzungsfreien Zeit sind Heimaturlaube leider kaum möglich, aber vor allem zu Geburtstagen und Weihnachten richte ich es ein.

 

Gibt es etwas, das Sie in Köln vermissen?

Klausing: Ich vermisse die Ruhe. In der Stadt sind immer irgendwo Licht, Geräusche, Menschen. Außerdem spricht hier keiner platt, weshalb ich Angst habe, es vollends zu verlernen.

 

 

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